Schulweg ohne Fussgängerstreifen: Sichere Stellen zum Überqueren erkennen
Nicht immer gibt es Fussgängerstreifen auf dem Schulweg. Gerade in Wohnquartieren und Tempo-30-Zonen müssen Kinder die Fahrbahn teilweise an anderen Stellen überqueren. Für jüngere Kinder ist es dabei nicht immer leicht einzuschätzen, welche Stelle sich zum sicheren Überqueren eignet.
In diesem Artikel erfahren Sie, woran sich geeignete Querungsstellen erkennen lassen und wie Sie das richtige Verhalten mit Ihrem Kind üben.
Nicht jede Stelle eignet sich zum Überqueren
Der direkte Weg ist nicht automatisch der sicherste. Ist die Sicht eingeschränkt, kann ein kleiner Umweg sinnvoll sein. Gut geeignet sind möglichst gerade Strassenabschnitte, an denen sich der Verkehr aus beiden Richtungen früh erkennen lässt. Kurven, Kuppen oder andere unübersichtliche Stellen erschweren dagegen die Einschätzung.
Eltern können solche Unterschiede direkt auf dem Schulweg zeigen und gemeinsam mit ihrem Kind besprechen, warum eine bestimmte Stelle zum Überqueren besser geeignet ist als eine andere.
Fussgängerstreifen in der Nähe müssen benutzt werden
Auch wenn unmittelbar vor dem Kind kein Fussgängerstreifen liegt, lohnt sich zunächst ein Blick in die Umgebung. Wenn ein Fussgängerstreifen oder eine Über- beziehungsweise Unterführung höchstens 50 Meter entfernt ist, müssen Fussgänger diese zum Überqueren nutzen.
Gibt es innerhalb dieses Bereichs keine entsprechende Möglichkeit, darf die Strasse auch an einer anderen Stelle überquert werden. Dort haben jedoch die Fahrzeuge Vortritt.
Parkierte Fahrzeuge können die Sicht versperren
Besonders schwierig wird es für Kinder, wenn Autos am Strassenrand stehen. Aufgrund ihrer geringeren Körpergrösse können sie nur schwer über parkierte Fahrzeuge hinwegsehen. Gleichzeitig werden sie von Autofahrern zwischen den Fahrzeugen oft erst spät erkannt.
Wenn möglich, sollte deshalb eine Stelle gewählt werden, an der keine parkierenden Autos die Sicht behindern.
Lässt sich das nicht vermeiden, müssen Kinder besonders vorsichtig vorgehen. Sie sollten zunächst an einer sicheren Position anhalten und sich nur so weit vortasten, dass sie den fahrenden Verkehr erkennen können, ohne unvermittelt auf die Fahrbahn zu treten.
Tempo 30 bedeutet nicht automatisch Vortritt für Fussgänger
In Tempo-30-Zonen in Wohnquartieren gibt es in der Regel keine Fussgängerstreifen. Fussgänger dürfen die Strasse deshalb grundsätzlich auch an anderen geeigneten Stellen überqueren. Gegenüber Fahrzeugen haben sie dort jedoch keinen Vortritt.
Kinder sollten deshalb wissen, dass die niedrigere Höchstgeschwindigkeit die Strasse nicht automatisch sicher macht. Wichtig ist eine übersichtliche Stelle, an der sich der Verkehr gut beobachten lässt.
Nicht nur sehen, sondern auch gesehen werden
Bei der Wahl einer Querungsstelle zählt nicht allein, ob das Kind den Verkehr gut erkennen kann. Ebenso wichtig ist, dass Autofahrer das Kind frühzeitig wahrnehmen.
Eine Hausecke, ein Lieferwagen, eine Hecke oder ein Container können die Sicht aufeinander einschränken. Eltern können diesen Perspektivwechsel beim gemeinsamen Üben bewusst ansprechen.
Fragen wie „Kannst du von hier beide Seiten gut sehen?“ oder „Kann ein Autofahrer dich an dieser Stelle schon erkennen?“ helfen Kindern, die Situation besser einzuschätzen.
Vor dem Überqueren immer anhalten
Ist die passende Stelle gefunden, folgt das eigentliche Überqueren. Für Kinder eignet sich die bekannte Abfolge „warte, luege, lose, laufe“.
Vor dem Betreten der Fahrbahn halten sie an, schauen in beide Richtungen und achten zusätzlich auf Verkehrsgeräusche. Erst wenn kein Fahrzeug naht, gehen sie zügig über die Strasse.
Ausserhalb eines Fussgängerstreifens sollten Kinder nicht darauf vertrauen, dass ein Auto anhält. Während des Überquerens bleibt die Aufmerksamkeit beim Verkehr. Rennen oder plötzliches Zurückgehen kann die Situation unnötig erschweren.
Die Querungsstelle gemeinsam einüben
Auf einem regelmässigen Schulweg sollte das Kind wissen, an welcher Stelle es die Strasse überquert.
Gehen Sie den Weg mehrmals zusammen und lassen Sie Ihr Kind zunehmend selbst zeigen, wo es anhält und wann es weitergeht. So lässt sich erkennen, ob es die ausgewählte Stelle nicht nur kennt, sondern auch verstanden hat, worauf es dort achten muss.
Mit der Zeit sollte das Kind die Situation zunehmend selbstständig beurteilen können. Wichtig ist dabei nicht nur, dass es die vereinbarte Stelle wiedererkennt, sondern auch versteht, warum sie sich zum Überqueren eignet.
Veränderungen auf dem Schulweg neu beurteilen
Auch eine vertraute Querungsstelle kann zeitweise ungeeignet sein. Baustellen, Lieferfahrzeuge oder neu parkierte Autos können die Sicht verändern.
Kinder sollten deshalb wissen, dass sie eine gewohnte Stelle nicht automatisch benutzen müssen. Wird sie plötzlich unübersichtlich, ist eine vorher besprochene Alternative die bessere Wahl.
Nach grösseren Veränderungen im Quartier sollte geprüft werden, ob die vereinbarte Querungsstelle weiterhin geeignet ist. So lernt das Kind, dass sich Verkehrssituationen verändern können und vertraute Lösungen nicht immer dauerhaft passen.
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