Sieben Jahre Haft nach tödlichem Strassenrennen – Polizei warnt vor Raserei
(Genf GE). Geschwindigkeitsrennen, massive Tempoüberschreitungen, gefährliches Verhalten: Im Strassenverkehr können wenige Sekunden Unachtsamkeit dauerhafte oder sogar unumkehrbare Folgen haben.
Die Kantonspolizei schreitet regelmässig gegen Fahrzeuglenkende ein, die ihr eigenes Leben und das anderer gefährden.
Diese Situationen sind keineswegs theoretisch. Im vergangenen August wurden zwei Töfffahrer angehalten, die sich auf der Umfahrungsautobahn ein Rennen lieferten. Ihre Töffs wurden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Einige Monate zuvor, im Mai, war einem Töfffahrer auf der Avenue de l’Ain der Führerausweis sofort abgenommen worden, nachdem er mit 58 km/h über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit gemessen worden war. Anschliessend wurde er einvernommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt.
Diese Einsätze verdeutlichen die unmittelbaren Konsequenzen, mit denen Fahrzeuglenkende rechnen müssen, aber auch die Risiken, denen sie andere Verkehrsteilnehmende aussetzen. Ob auf dem Töff oder im Auto: Geschwindigkeit bleibt einer der wichtigsten Faktoren bei schweren Unfällen. In Genf haben Strassenrennen bereits anderen Verkehrsteilnehmenden das Leben gekostet. Noch im vergangenen Juli waren zwei Autos auf der Route de Malagnou mit sehr hoher Geschwindigkeit unterwegs, als eines von ihnen einen Töfffahrer tödlich erfasste, der an einer Ampel wartete.
Warum ist Geschwindigkeit so gefährlich?
Je höher die Geschwindigkeit, desto länger wird der Anhalteweg und desto weniger Zeit bleibt der lenkenden Person, auf etwas Unvorhergesehenes zu reagieren. Bei einer Kollision nehmen zudem die Aufprallenergie und die Schwere der Verletzungen stark zu.
Die Opfer sind nicht unbedingt diejenigen, die zu schnell fahren: Auch Fussgängerinnen und Fussgänger, Velofahrende, Töfffahrende oder andere Fahrzeuglenkende können die Folgen erleiden.
Weitere Informationen: „Jedes dritte Fahrzeug fährt zu schnell“ – BFU.
Geschwindigkeitsüberschreitungen: Welche Folgen drohen?
Die Konsequenzen hängen vom Ausmass der Überschreitung und den Umständen ab. Sie reichen von einer Busse über den Führerausweisentzug bis hin zu einer strafrechtlichen Verurteilung in den schwersten Fällen.
Eine geringfügige Überschreitung kann mit einer Ordnungsbusse in festgelegter Höhe geahndet werden. Bei einer grösseren Überschreitung wird die lenkende Person bei den zuständigen Behörden angezeigt. Ihr drohen dann insbesondere eine Geldstrafe oder in schweren Fällen eine Freiheitsstrafe sowie eine Verwarnung oder ein Führerausweisentzug.
Die Geldstrafe wird in Tagessätzen berechnet: Das Gericht legt deren Anzahl nach der Schwere des Verschuldens fest. Die Höhe des einzelnen Tagessatzes richtet sich nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der verurteilten Person.
Wann spricht man von einem Raserdelikt?
Das Gesetz bestraft bestimmte Verhaltensweisen besonders streng, wenn dadurch ein hohes Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern entsteht. Dazu können insbesondere besonders massive Geschwindigkeitsüberschreitungen, waghalsige Überholmanöver oder die Teilnahme an einem Geschwindigkeitsrennen gehören.
Ein Raserdelikt kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren bestraft werden. Es führt grundsätzlich zu einem Führerausweisentzug von mindestens zwei Jahren, der in bestimmten Fällen verkürzt werden kann. Auch das Fahrzeug kann eingezogen werden.
Weitere Informationen: „Mehr Sicherheit auf der Strasse dank Via sicura“ – ASTRA.
Ein Strassenrennen kann dramatische Folgen haben
Am 9. Oktober 2026 verurteilte das Genfer Strafgericht die beiden Lenker, die an einem Strassenrennen beteiligt waren, bei dem im Juli 2023 auf der Route de Lausanne eine Velofahrerin ums Leben gekommen war, erstinstanzlich zu je sieben Jahren Freiheitsstrafe.
Über die drohenden Strafen hinaus erinnert eine solche Tragödie vor allem daran, dass ein Rennen auf öffentlichen Strassen innerhalb weniger Sekunden mehrere Leben dauerhaft verändern kann.
Richtiges Verhalten
Die Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten ist unerlässlich. Sie stellen jedoch einen Höchstwert dar: Die Geschwindigkeit muss stets den Verkehrs-, Wetter- und Sichtverhältnissen angepasst werden.
Einige einfache Grundsätze helfen, die Risiken zu verringern:
- Lassen Sie sich niemals zu einem Rennen hinreissen und gehen Sie nicht auf Provokationen ein.
- Halten Sie jederzeit genügend Abstand, um auf Unvorhergesehenes reagieren zu können.
- Verlangsamen Sie die Fahrt in Bereichen, in denen Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrende unterwegs sind.
- Fahren Sie auf dem Töff besonders vorausschauend und tragen Sie eine geeignete Schutzausrüstung.
- Bleiben Sie zu Fuss, auf dem Velo oder auf dem Trottinett gut sichtbar und vergewissern Sie sich vor dem Losgehen oder Losfahren, dass Sie gesehen wurden.
- Melden Sie unangemessenes Verhalten unter 117.
Was die Kantonspolizei unternimmt
Die Kantonspolizei kontrolliert die Geschwindigkeit auf dem gesamten Genfer Strassennetz, bei Tag und bei Nacht. Sie greift auch ein, wenn sie Verhaltensweisen feststellt, die andere Verkehrsteilnehmende gefährden könnten.
Je nach Umständen kann die lenkende Person angehalten, ihr Führerausweis sofort abgenommen und ihr Fahrzeug beschlagnahmt werden. Der Sachverhalt wird anschliessend den zuständigen Behörden übermittelt.
Beobachten Sie ein laufendes Geschwindigkeitsrennen oder eine gefährliche Fahrweise? Rufen Sie 117 an und nennen Sie nach Möglichkeit den Ort, die Fahrtrichtung und eine Beschreibung der betreffenden Fahrzeuge.
Zusammengefasst
Die Strasse ist kein Spielplatz. Eine massive Geschwindigkeitsüberschreitung oder ein Rennen zwischen Fahrzeugen kann zum Verlust des Führerausweises, zur Einziehung des Fahrzeugs, zu einer schweren strafrechtlichen Verurteilung und vor allem zu unumkehrbaren menschlichen Folgen führen.
Wer den Fuss vom Gas nimmt, schützt sein eigenes Leben und das anderer.
Quelle: Kantonspolizei Genf (aus dem Französischen übersetzt von Polizei.news)
Bildquelle: Kantonspolizei Genf
Quelle Infobox: Polizei.news-Redaktion